1. De Berne à Istanbul - Von Bern nach Istanbul

Janvier 2020
15 jours
Dernière étape postée il y a 858 jours
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Publié le 22 février 2020

Nori's Sicht:

Das Abenteuer beginnt. Seit einer Ewigkeit scheint es, dass wir von dieser Reise sprechen. Zumindest wir zwei miteinander. Im letzten Jahr sind die Dinge immer konkreter geworden, wir haben eine provisorische Route, haben Material und Informationen für unsere einjährige Reise zusammengesammelt. Ein Jahr ist die Idee, ob kürzer oder länger bleibt natürlich immer offen. Uns beiden ist die Umwelt sehr wichtig. Deshalb haben wir uns entschieden nicht zu fliegen und nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu reisen (wann immer möglich mit dem Zug). Wir möchten langsam Reisen, möchten die Distanzen spüren und den Wandel, subtil oder krass, die Nuancen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede fühlen, wir möchten erleben.

Mit einer genügenden Portion Stress schaffen wir es, die Wohnung einzugsbereit zu hinterlassen. Hélène, Alex' Schwester hilft uns zum Glück. Wir schliessen die Tür und legen den Schlüssel für unseren Untermieter Mark, der schon bald einziehen wird. Ein komisches Gefühl, zu gehen. Irgendwie aufregend, aber auch surreal. Wir sprechen schon so lange von unserer Reise, machen Liste um Liste mit administrativen To Do's, Materialbeschaffungen, Putzarbeiten, wir planen, verwerfen, entscheiden uns zur Improvisation. So ganz verstehe ich es nicht, dass es jetzt endlich losgeht. Alex ist wahnsinnig nervös. Ich beruhige ihn, dass wir unser Unterfangen jederzeit abbrechen und heimkehren können. Im Chalet in La Forclaz oder in Spanien wohnen, Europa bereisen, statt so weit und so lange fort zu sein von unseren Familien. Alles verlockende Alternativen, vor Allem mitten im Winter und mit schweren Rucksäcken auf dem Rücken. Aber das Ungewisse ist immer verlockend und beängstigend zugleich. Bei mir überwiegt das verlockend deutlich. Es geht los Richtung Osten. Wer weiss was in diesem Jahr alles passieren wird, wo es uns hinverschlägt. Hauptsache los, Zug um Zug dem Abenteuer entgegen.

Train de nuit pour Zagreb - Frühmorgens, kurz vor Zagreb

Vu par Alexandre:

Nous sommes à la gare de Berne, sur le quai numéro 7. Le vent s'engouffre, je frissonne et Norina sourit. Il y a quelques minutes j'ai acheté un billet de train en Suisse, pour la première fois de ma vie, ou presque. Mon abonnement général, après plus de dix ans de loyaux services, n'est plus valide depuis la veille. La clef de notre appartement attend notre sous-locataire sous le paillasson. Habits, classeurs et bouquins dorment déjà dans des cartons au galetas. Un dernier câlin avec ma soeur, qui file prendre son train. L'InterCity pour Zurich a du retard, mais nous avons pris de la marge. Je dis à Norina: "Je ne réalise pas vraiment, enfin, je crois". Mon estomac, lui, dit le contraire, un vrai sac de noeuds.

Deux heures plus tard, nous avons trouvé nos couchettes dans le train autrichien qui doit nous déposer demain matin à Zagreb. Nous partageons notre compartiment avec une Autrichienne, dans sa bulle - écouteurs et WhatsApp. Un peu plus loin, deux Slovènes montent avec leurs skis. Je me force à avaler mon birchermüesli et mon börek, achetés à la gare de Zurich - un menu presque métaphorique. Je me lance dans Mathias Sandorf et ses aventures en Istrie, en Dalmatie et autour de la Méditerranée. Quoi de mieux qu'un des Voyages extraordinaires de Jules Verne pour accompagner les premiers jours de ce périple que l'on prépare depuis si longtemps? Vingt pages plus tard, je dors. Le train file. Lorsque j'ouvre les yeux, le Liechtenstein et l'Autriche sont déjà derrière. Le chef de train croate nous amène un café et un croissant sous plastique à consommer de préférence avant 2022. Je guette à la fenêtre. La Slovénie est dans le brouillard, moi juste un peu dans la brume. Une policière slovène monte à bord et glisse mon passeport dans sa machine. Je souris bêtement. Mon ventre gargouille. Nous arrivons à Zagreb.

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Publié le 22 février 2020

Nori's Sicht:

Viel geschlafen haben wir nicht. Übermüdet stolpern wir in das winterliche Zagreb. Das Hostel finden wir sofort, es könnte nicht zentraler sein. Eine gute Wahl. Leider ist aber die Rezeption, also auch die Eingangstür zum Hostel erst ab Check-in Zeit offen. Das heisst in 6 Stunden. Die schweren Rucksäcke bleiben bis dahin also unsere Begleiter. Wir stärken uns erst einmal bei Kaffee und hervorragendem Kuchen in einem französischen Café um die Ecke. Ich lasse dort auch gleich die am Bahnhof ergatterte Gratis-Stadtkarte Liegen. Als wir zurückgehen fischt die Kellnerin sie aus dem Müll, so dass sie fortan klebrig und leicht stinkig ist. Egal, wir brauchen sie sowieso nur einen Tag lang. Und das Zentrum von Zagreb ist klein genug, um sich auch so zurechtzufinden. Sowieso fühlen wir uns hier eher wie in einem Skiresort ausserhalb der Saison. Es hat zwar keinen Schnee, aber so viele Bars und Restaurants (davon die Hälfte geschlossen), so viele einstöckige Häuser - nicht das Bild einer Grossstadt jedenfalls. Wir erklimmen den kleinen Hügel zur Kathedrale, eine omnipräsente elegante Silhouette, egal wo in der Stadt man sich befindet. Danach spazieren wir etwas durch die Gässchen und besuchen spontan das "Museum of Broken Relationships". Sehr witzig, teilweise rührend, auf jeden Fall zu empfehlen. Ein Teil ihrer Ausstellungsobjekte befindet sich aktuell im "Naturhistorischen Museum Bern" in der Ausstellung "Weltuntergang", wenn ich mich nicht täusche (ebenfalls empfehlenswert übrigens). Nach noch etwas mehr Spazieren (mit 15 kg auf dem Rücken wohlbemerkt) ist dann endlich Check-in Zeit und wir gehen zurück zum Hostel. Ich freue mich unglaublich, dass ich mit meinen eher beschränkten Russischkenntnissen so viel verstehen kann, auch die Begrüssungsformeln sind eng mit dem Russischen verwandt. Das Alphabet ist aber noch lateinisch.

Abends essen wir kroatische Strukli, eine Art weisse Lasagne in einem darauf spezialisierten Restaurant. Sogar vegetarisch. Ich finde meines supergut, Alex ist immer noch ein bisschen zu nervös, um zu essen. Deshalb und weil auch fast alles zu ist, gehen wir relativ früh zurück ins Hostel und schauen uns eine Folge "Our Planet" an (die letzte Empfehlung dieser Etappe, versprochen). Am nächsten Morgen stehen wir früh auf und kaufen uns auf dem Markt für 3 Franken Tagesproviant für die Zugreise nach Belgrad, welche am Nachmittag ansteht.

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Vu par Alexandre:

Des yeux, je cherche des montagnes. Je dois avouer que je ne sais pas grand chose sur cette ville, où nous passons surtout parce qu'elle est "sur notre chemin". Je n'ai pas d'attentes particulières, certainement parce que je ne sais pas du tout à quoi m'attendre. Je sais juste que la Coupe du monde de ski alpin passe chaque année par ici, donc je cherche des montagnes des yeux. Mais Zagreb est dans son smog ce matin. En quelques minutes, nous achetons nos billets de train pour Belgrade pour le lendemain. Les informations du "Man in the Seat 61" (un site amateur pour les voyageurs en train autour du monde) s'avèrent correctes - je sens que ce site va nous servir plus d'une fois... Des trams un peu vieillots à un seul wagon circulent dans tous les sens, mais la ville semble encore assoupie. La réception de l'auberge est encore fermée pour plusieurs heures, la première balade se fera donc sac sur le dos. Ce sac, rempli de juste quelques habits, trois bricoles pour le camping et ce qui nous semblait indispensable au quotidien en voyage - mais combien d'heures avons-nous passé à discuter, chercher et rechercher, tester, peser, échanger, empaqueter nos affaires pour ce voyage? J'ai l'impression de n'avoir pas grand chose avec moi, mais il paraît qu'au retour je raconterai avoir pris "plein de trucs inutiles" et m'être rendu compte que "l'essentiel tient en très peu de choses". On verra, on verra...

Zagreb hiberne, semble-t-il. Il fait donc chaud dans les cafés. Les Štrukli au fromage réconfortent, la Karlovačko et l'Ožujsko sont toujours mauvaises mais rappellent de bons souvenirs d'un voyage Interrail en Istrie, le tout désentortille un ou deux noeuds de mon ventre. Le Musée des coeurs brisés nous donne un tas d'idées de choses à ne pas faire - plus sérieusement, une pépite de musée sur l'universalité des sentiments et des émotions. Pour ce premier jour de voyage, les émotions s'emmêlent, d'ailleurs. Je ne peux plus dire si j'ai peur ou si j'ai hâte, si je suis heureux, triste, effrayé, impatient, curieux... Norina est là, calme, tant mieux. Le soir, je regarde la cathédrale par la fenêtre de l'auberge et quelques étoiles dans le ciel de l'hiver croate. Le ciel s'est dégagé. Demain, nous filons vers Belgrade, déjà.

Marché du matin devant la cathédrale - Markt und Kathedrale am Morgen
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Publié le 22 février 2020

Nori's Sicht:

Der Zug nach Belgrad führt uns über flache, landwirtschaftlich genutzte Gebiete, es ist neblig und viel sehen wir nicht. An der Grenze werden unsere Pässe zuerst von den Kroaten und ein paar Minuten später nochmal von den Serben eingesammelt, beim zweiten Mal bekommen wir sie mit einem kleinen Stempel drin zurück. Während wir an der Grenze warten beobachte ich den Bahnhof: Mehrere junge Männer stehen neben dem Perron, als würden sie nicht auf den Zug, sondern auf etwas ganz anderes warten. Sie tragen alle eher keine winterfeste Kleidung. Sie scheinen sich das Warten gewohnt zu sein. Alex hat mir erzählt, dass die serbisch-kroatische Grenze sehr beliebt ist für Flüchtlinge, um in die EU zu gelangen. Ich sehe hier an der Grenze zwar keine Zeltstadt, aber irgendwie macht das Warten dieser Jungen Männer plötzlich Sinn. Oder gar keinen mehr, je nachdem. Ich bin gleichzeitig dankbar und unangenehm berührt, dass mir mein Schweizer Pass das Überschreiten von Grenzen so leicht macht.

Der Zug fährt weiter, wir essen unser Picknick vom Markt und lesen. Bei der Ankunft erwischen wir irgendwie den Hinterausgang des Bahnhofs und dann auch noch gerade ein Fake-Taxi der uns den dreifachen Preis bezahlen lässt. Wir waren dumm genug und haben nicht nachgeschaut was der Wechselkurs ist, deshalb können wir die verlangte Summe nicht wirklich einschätzen. Dem Typ ist sichtlich unwohl, aber er insistiert, das sei der richtige Preis, ca 15-20 Euro habe er doch gesagt. Wir kapitulieren irgendwann und geben ihm das Geld. Kein besonders netter Einstieg in Serbien. Das Hostel ist aber sehr angenehm, auch wenn in unserem Schlafsaal einige kuriose Gestalten anzutreffen sind: Da ist der Rentner aus Neuseeland oder Dänemark (so genau konnte er uns das nicht sagen), der mit zwei vollen Koffern herumreist ohne wirkliches Ziel und unter anderem einen Laptop mit Drucker, aber auch einen Fernseher mitschleppt. Speziell daran ist, dass er sich mit all seinen technischen Apparaten auch das Bett teilt. Er ist aber sehr hilfsbereit und sehr mitteilungsfreudig. Wir können uns dennoch nicht entscheiden, ob die Gespräche mit ihm wirklich interessant sind, oder wir ihn nur diagnostizieren wollen. Dann gibt es den Inder, der im Anzug im Dorm schläft, der das 5-Fache des Preises für ein Taxi zahlen musste und sich mit uns zusammen nervt, der sich um neun Uhr abends schlafen legt, aber um 5 Uhr morgens laut im Bett telefoniert bis ihn der Rentner schimpfend rausjagt. Der schüchterne Chinese, der seit einer Woche das Hostel nicht verlässt, weil er eigentlich nur auf sein Visum für Kroatien wartet. Die Serbin, die in Belgrad eine Ausbildung als Croupier macht, damit sie in der Schweiz (Luzern soll ein guter Ort dafür sein) in den illegalen serbischen und bosnischen Casinos schwarz arbeiten und das 4fache ihres üblichen Gehalts verdienen kann. Dann der Bengali und der Afghane, die sich in Belgrad vor ein paar Tagen kennengelernt haben und nun ein "Business" zusammen aufziehen wollen. Was genau wissen sie noch nicht, einfach was mit Tourismus. Der Bengali redet viel zu viel. Der Afghane ist eher ruhig und schön. Sie kochen für das ganze Hostel und es ist köstlich! Nichts gegen kroatische oder serbische Küche, aber gerade punkto vegetarisch können sie sich eindeutig nicht mit einer afghanisch-bengalischen Allianz in der Küche messen. Der Bengale fragt, warum wir nicht auch Paki- und Afghanistan bereisen, um alle Stans bereist zu haben, da wird der Afghane (der übrigens sechs Sprachen spricht) das einzige Mal laut und sagt: "No! Please don't go to Afghanistan!" Er relativiert es später und meint der Wakhan Korridor im Norden des Landes, eingeklemmt zwischen Tadschikistan, Pakistan und China sei sicher.

 Sava und Donau vereinen sich - La Save et le Danube confluent 

Unsere drei Tage in Belgrad verbringen wir mit laufen. Manchmal ist es wunderschön, manchmal ist es hässlich. Oft ist es schmutzig und laut. Der angekündete Smog hält sich eigentlich in Grenzen, und doch ist es ein seltsames Licht, hier in Belgrad. Irgendwie gelblich, alt. Oder ist es nur das Winterlicht? Es gibt der Stadt etwas Nostalgisches, unterstützt von den verfallenden Häusern, den überdimensionalen, sowjetisch angehauchten Monstrositäten alias Gebäuden. Und doch ist es auch sehr europäisch, vor allem die Flusspromenade bei Zemun könnte irgendwo in Österreich sein (nicht ganz ohne Grund wenn man alte Grenzverläufe anschaut). Und auch der östliche Einfluss ist bereits spürbar, den Kaffee trinkt man zum Beispiel türkisch (ebenfalls nicht ohne Grund nach langer Zeit unter osmanischer Herrschaft). Belgrad ist eine Stadt zwischen zwei Welten, eine Mischung aus West und Ost, aus neu und alt. Sie ist zugleich chaotisch und laut, dreckig, verletzt und arrogant, sowie ehrwürdig und elegant, verspielt und voller Leben. Sie birgt längst vergangene Schätze und ein Versprechen für die Zukunft. Sie ist eine der interessantesten Städte, die es im Jetzt zu erleben gibt.

Post und Parlament - La Poste et le Parlament 
Nachmittagslicht - Lumière de l'après-midi 

In den Restaurants wird geraucht was das Zeug hält. Immerhin riechen die Kleider dann nicht nach frittiertem Fleisch. Trotzdem ist es für das 21. Jahrhundert sehr unfortschrittlich, vor allem wenn ich Babys und Kinder in dem Qualm sitzen sehe wehrt sich etwas in mir gegen diese Individualistenfreiheit des Rauchens. Boris, ein gebürtiger Serbe und Freund meiner Familie erzählt uns, dass in Serbien vor ein paar Jahren das Rauchverbot hätte eingeführt werden sollen aber die Serben sich in Scharen auf den Strassen gegen diese neue Wendung gewehrt hätten. Also weiterhin Qualm innen, Abgase aussen. Dass Belgrad eine Stadt für Autos und nicht für Fussgänger ist, merken wir auch an den wenigen Fussgängerstreifen. Um einen dieser gigantischen Kreiselverkehrsplätze zu umlaufen muss man zusätzlich noch einen halben Kilometer Umweg machen. Viele Serben wagen deshalb todesmutig die Strassenüberquerung an Orten ohne Fussgängerstreifen. Nach 3 Tagen in dieser Stadt fühlen wir uns ebenfalls mutig genug und folgen einer platinblonden Serbin über eine vielbefahrene Strasse. Ein Paar Meter weiter auf einem Trottoir sehe ich ein Polizeiauto, umringt von ca 4 Passanten. Ich denke mir nichts dabei. Bis ein Polizist aus dem Auto steigt und uns und die Blondine eher grob anhält, uns "Passport!" ins Gesicht brüllt und ich merke, dass ich meinen Pass im Hostel gelassen habe. Alex hat seinen zum Glück dabei. Der Polizist nimmt ihn mit zum Auto. Wir folgen brav, ohne Pass sind wir aufgeschmissen. Wir haben die Strasse an einem Ort ohne Fussgängerstreifen überquert. Das gebe eine Busse von 5000 Dinar pro Person, meint er. Mit uns stehen 5 weitere unglückliche Menschen um das Polizeiauto. Einer ist sehr erbost, fotografiert das Autokennzeichen, schimpft auf die Polizisten. Wir bleiben lieber mal nett. Der Polizist wird auch nett und senkt die Busse auf nur eine Person, da er ja nur einen Pass habe und halbiert die Summe noch dazu auf 2500 Dinare (etwa 35 Franken). Ausländerbonus vielleicht? Er will aber den Pass erst zurückgeben wenn wir die Busse bezahlt haben. Bei ihm direkt können wir das aber nicht, er schickt uns in eine Postfiliale wo wir anstehen und uns den Kopf zermartern, wie wir der eher älteren Dame hinter dem Tresen unser Vorhaben erklären wollen. Hoffentlich erkennt sie die Busse und weiss was zu tun ist. Ein Typ zwei Plätze vor uns in der Schlange hat einen ähnlichen Fötzel wie wir in der Hand. Ob wir ihn fragen sollen? Alles Bangen umsonst: die Frau spricht ziemlich gut englisch und muss auch ziemlich lachen, als sie uns sieht. "Ihr seid die dritten in den letzten 10 Minuten, die eine Busse einzahlen müssen!", meint sie. Die serbische Polizei hat also ihre Kassen wieder aufgefüllt. Nun gut, unser Fehler war es ja schon. Wir bringen den Beleg dem Polizisten und der gibt brav Alex' Pass zurück. Abenteuer überstanden. Beim Abendessen mit Boris (er lädt uns zu Speis und Trank ein, kutschiert uns in Belgrad herum zur Privat-Auto-Sightseeing-Tour und erzählt uns viel von seinem Land) meint dieser, dass er noch nie von dem Verbot und entsprechender Busse gehört habe. Alle laufen immer und überall über die Strasse. Es herrsche quasi das Recht des Schnelleren. Auch Fahrverbote werden nicht allzu ernst genommen, wenn gerade keine Polizeikamera herumhängt. Boris erzählt uns auch, dass das serbische Kaymak (eine Art Käsebutter, ein bisschen wie Clotted Cream aber salzig) die sie auf ihr Fleisch und auf ihr Brot streichen ihm in seinem langjährigen Aufenthalt in Australien am meisten gefehlt habe. Diesen Geschmack habe er mit nichts ersetzen können und sei so typisch für sein Zuhause. Wir fragen uns, welches kulinarische Stück Schweiz uns wohl fehlen wird. Bis jetzt fehlt uns noch nichts. Aber unsere Reise hat ja auch gerade erst angefangen!


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Vu par Alexandre:

La campagne slavonne défile sous nos yeux dans le train qui nous emmène à Belgrade. Rien de spectaculaire, et il faut bien dire que le brouillard matinal n'aide pas. À la frontière, la douanière croate passe mon passeport biométrique dans sa machine, à la manière d'une carte de crédit. Constater que mon dossier Interpol est vierge la laisse de marbre. Le train avance de cent mètres et laisse quelques barbelés derrière lui. Un groupe de jeunes hommes zone à quelques mètres du 4x4 "Border Police" serbe. La citadelle de notre libre-circulation est bien gardée. Eux, ils attendent. Sans doute qu'ils ont l'habitude. Je ne sais pas d'où ils viennent, probablement de Syrie ou d'Afghanistan. Cette année à l'hôpital psychiatrique, j'ai entendu beaucoup d'histoires qui pourraient être les leurs. Des tristes, des affreuses, des insoutenables, des belles aussi. Le chapitre des barbelés de Schengen ne manque presque jamais. J'aimerais leur souhaiter quelques choses, mais que leur souhaiter? La douanière serbe interrompt mes pensées. Elle ne semble pas bénéficier de lecteur de puce biométrique. Elle ressort donc du train avec sa collection de passeports, qu'elle ramène quelques minutes plus tard dûment tamponnés. Mon dossier Interpol vierge ne la met pas plus de bonne humeur que sa collègue croate. Le train reprend sa route, à cette frontière ce n'est pas le paysage qui change, mais l'alphabet. Norina prend des cours de russe depuis quelques temps. Le moment est donc propice pour qu'elle m'apprenne l'alphabet cyrillique. Dans une heure, nous serons à Belgarde. В-Е-О-Г-Р-А-Д.

Le train nous dépose à la gare centrale de Belgrade, située à cinq kilomètres du centre-ville. Notre première décision dans cette ville n'est pas bonne: nous montons dans un faux taxi qui nous demande 2800 dinars (environ 30 francs suisses) pour le trajet en nous faisant descendre dans une ruelle à l'éclairage hésitant. Son taximètre a pourtant démarré au prix juste. Nous fixerons le prix à l'avance, dorénavant... Le "supplément" n'est pas cher payé compte tenu de son agressivité; cela ne m'empêche pas d'être absolument révolté pendant les heures qui suivent. "Voyageur" en herbe...

Notre auberge de jeunesse est un prototype du genre: dans notre dortoir, nous rencontrons: 1. Un Indien fraîchement arrivé qui téléphone en pleine nuit et qui a, lui, payé 5000 dinars dans un faux taxi; 2. Un Danois-Néo-Zélandais retraité dormant au milieu de ses appareils électroniques apprenant le russe pour enseigner l'anglais à Moscou; 3. Une Serbe suivant une formation de croupière pour aller travailler dans les maisons de jeux illégales de Lucerne pendant l'été; 4. Un Chinois qui attend un visa pour le Monténégro depuis quelques semaines; 5. Un Bengali vivant à Malaga nous recommandant fortement de passer par l'Afghanistan durant notre voyage et 6. Son pote afghan qui nous regarde avec des grands yeux et qui lance "No! Please don't go! Just don't go!". Ces deux-là sont à Belgrade à la recherche d'opportunités pour "faire du business" et communiquent ensemble en mélangeant plusieurs langues, mais principalement en ourdou (ce qui m'a d'abord surpris et nous ramène à la partition des Indes en 1947...). Au vu du délicieux curry qu'ils concoctent pour tous les clients, je leur recommande pour leur business plutôt le créneau gastronomique que d'ouvrir une agence de voyage...

À Belgrade, nous marchons beaucoup. Il fait beau et froid. Nous entrons dans les églises orthodoxes aux milles couleurs. Nous admirons la Save et le Danube qui confluent dans le calme. Nous nous asseyons dans le parc de la forteresse et regardons les retraités jouer aux échecs, bonnet sur la tête. Nous emplissons nos poumons du smog non-filtré dans le labyrinthe du centre-ville et de la fumée de cigarettes dans les cafés. Difficile de décrire Belgrade, belle, fière, sale, mélancolique. Européenne mais déjà un peu orientale. Son histoire de ville disputée et cent fois conquise transparaît; ici un mur romain, là une église byzantine, plus loin une mosquée discrète et le café qui se prépare "à la turque" en héritage des Ottomans. Et puis aussi Zemun, la mignonne petite soeur "autrichienne" à quelques kilomètres seulement, que nous rejoignons à pied... Aussi, quelques cicatrices des bombardements de l'OTAN en 1999, que de grands projets immobiliers tenteront de refermer. Je ne sais pas si la lumière d'hiver me trompe - rasante, jaune - mais Belgrade semble nostalgique. Boris, une connaissance de la famille de Norina, nous emmène boire un verre et élargit notre horizon. Certainement, Belgrade est nostalgique, elle qui fut la capitale d'un pays deux fois plus grand, comme en témoignent les bâtiments administratifs d'inspiration communiste qui sont aujourd'hui totalement surdimensionnés pour un pays de dix millions d'habitants. En été, les Serbes qui avaient leurs habitudes sur "leurs" plages du Monténégro optent désormais pour les îles grecques. Il nous montre aussi Novi Beograd, la Nouvelle-Belgrade, où il vit: moderne, quadrillée, priviligiée par les entreprises et les investisseurs, bien loin du labyrinthe du centre-ville.

Avant du quitter Belgrade, nous goûtons à la cuisine serbe, mariage d'influences slaves et orientales, dans le quartier de Skadarlija au son de musique traditionnelle. Ma Karadjorjeva šnicla (panade de steak roulé farcie au kajmak, un produit laitier entre beurre et fromage blanc) est plaisante; pour pour le menu végétarien de Norina, c'est une autre paire de manches. Surtout, nous trouvons encore le temps de prendre une amende de 2500 dinars pour avoir traversé à quelques mètres du passage pour piétons. Les Serbes râlent mais prennent aussi une amende. Le flic n'est pas méchant, mais sa petite troupe est bien organisée pour attraper tous les vils piétons récalcitrants pendant que les voitures grillent les feux rouges. Il ne parle pas bien anglais, mais je comprends bien qu'il gardera mon passeport tant que je ne lui aurai pas ramené un reçu de l'amende payée. Il nous indique aimablement un guichet de poste, et nous donne une heure. La postière nous sourit, et nous fait comprendre que nous sommes les troisièmes au cours des dix dernières minutes... Quelques instants plus tard, délestés de 2500 dinars, nous avons à nouveau nos passeports en poche. Demain, nous prenons le bus pour Sofia.

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Publié le 22 février 2020

Nori's Sicht:

An Sofia habe ich irgendwie keine hohen Erwartungen. Vielleicht liegt es daran, dass Alex meint, es sei keine besonders spannende Stadt. Wir haben deshalb auch nur einen Tag eingeplant bevor wir in die Berge fahren nach Rila. Vielleicht liegt es an dem eher grummligen Busfahrer, der einen riesigen Car für 4 Personen - uns zwei und zwei einzelne Personen - über die serbisch bulgarische Grenze bringen muss. Alex' Mutter hatte uns erzählt, dass sie die Bulgaren nicht als gastfreundlichste Menschen erlebt habe, zumindest in den Restaurants etc. Nun gut. Wir kommen am Busbahnhof an und entscheiden uns zu laufen, nach den vielen Stunden im Bus. Es ist bereits Abend aber es hat noch Leute auf der Strasse. Wir finden die Strasse des Hostels einfach. Aber dann... Ja dann finden wir leider die Hausnummer des Hostels nicht. Dort wo es logischerweise sein sollte gibt es nur eine Gesangsschule und 4 nicht angeschriebene Klingelknöpfe. Wir sind irgendwann so verzweifelt, dass wir eine Junkiefrau auf der Strasse fragen. Die entschlossen an allen Klingelknöpfen Sturm läutet. Als nichts passiert zuckt sie mit den Schultern und geht. Kurz darauf kommt aber eine junge Frau aus der Türe, ein anderer Gast des Hostels stellt sich heraus, wir sind also doch richtig. An der Rezeption ist niemand, aber eine WhatsApp-Nummer ist auf einem Fötzel Papier notiert und so gelangen wir schliesslich in unser Zimmer, per Telefon angeleitet sozusagen.

Am nächsten Tag ist Sonntag und wir spazieren durch die Stadt, zusammen mit allen Sofianern scheint es. Es ist strahlend schönes Wetter, die Strassen sind sauber. Sofia ist verblüffend schön. Plötzlich stehen wir vor einer riesigen Glaskuppel mit Ruinen unter unseren Füssen. Es ist eine Metrostation und bei den Bauarbeiten ist man auf diesen unglaublichen Fund gestossen, eine weitere Entdeckung des historischen Zentrums von Sofia. Wir spazieren durch die unterirdische antike Stadt Serdica. Danach besuchen wir Kirche nach Kirche, zuerst relativ bescheiden russisch orthodox, dann immer riesiger strebend bulgarisch orthodox, zuletzt die älteste Kirche Bulgariens. Diese ist zugleich die europaweit älteste Kirche mit einem intakten Dach aus römischer Zeit. Die Rotunda des heiligen Georgs (so heisst sie) steht im Innenhof eines Parlamentsgebäudes. Surreal wie sie da in voller Ziegelsteinanmut steht und der uniformen Architektur um sie herum trotzt. Drinnen überkommt mich sofort eine Ruhe. Ist das Andacht? Das Licht, die Mosaike, der Geruch, die Stille, das spürbare Alter. Ich zünde eine Kerze an. Das habe ich von meiner Mutter gelernt. Wenn man einen Ort findet, an dem man eine Kerze anzünden möchte für jemanden, der nicht mehr da ist, und an den man denkt, dann macht man das. Ob religiös oder nicht.

Rotunda 

Sofia, die Löwenstadt voller Kirchen und (Löwen-)Denkmäler. Vieles ist restauriert, der Vitosha-Boulevard (das Pendant etwa zur freien Strasse bei uns) geschmackvoll herausgeputzt mit Hipster-Cafés, Bars, Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten. Plötzlich fährt uns ein altes grünes Baslerträmmli über den Weg. Es steht sogar noch BVB angeschrieben! Alex freut sich fast noch mehr als ich und versucht Fotos zu machen. Kurz nachher finden wir einen wieder mal sowjetisch angehauchten riesigen Platz vor einem Ungetüm von Gebäude, das für mich ein bisschen wie ein gestrandetes Raumschiff aussieht. Wir setzen uns in die Sonne neben bulgarischen Familien, schauen den Fixie-Fahrern zu, wie sie rückwärts Treppen herunterspringen, sich auf einem Rad drehen und blutige Schrammen mit einem Achselzucken abtun. Ein schöner Sonntag. Eine schöne Stadt. Ich bin positiv überrascht! Auch die Menschen sind sehr freundlich, manchmal auf eine etwas ruppige, aber doch immer herzliche Art. Nur die Fussgänger werden abgesehen von den kleinen Zentrumsgässchen voller Streetart systematisch gemobbt. Grosse Umwege, zahllose Unterführungen, kurze Grünphasen: eine Strasse zu überqueren ist nicht leicht. Da wir nach unserer Busse in Serbien aber einen ausgewachsenen Strassenüberquerkomplex haben und ganz deutschschweizerisch nur noch an vorgesehenen Orten und bei grün den Seitenwechsel wagen, ist das Erkunden der Stadt doch auch ziemlich anstrengend. Morgen fahren wir für zwei Tage in die Berge. Ich freue mich auf die Klosterruhe.

Raumschiffplatz
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Vu par Alexandre:

A Sofia, je voulais y aller en train. Mais la ligne directe entre Sofia et Belgrade n'existe qu'en été. En hiver, il faudrait changer deux fois, et personne ne peut nous confirmer les horaires, et puis il faut se rendre à la gare centrale (toujours située à cinq kilomètres du centre) pour se renseigner et éventuellement acheter les billets, et de toutes façons il faut acheter les billets à chaque étape du trajet, et on ne sait pas s'il y aurait une auberge ouverte à Dimitrovgrad, la ville-frontière, en cas de pépin. En résumé: nous irons en bus; un bus de 50 places assises, avec un conducteur bulgare grognon et quatre passagers au total pour ce trajet reliant deux capitales de plus d'un million d'habitants. À la frontière, nous dépassons des kilomètres de camions arrêtés avant d'entrer dans l'Union européenne. Les douaniers me gratifient de leur moue mi-suspicieuse mi-ennuyée qui semble universelle dans ce métier avant de tamponner mon passeport. Nous voilà de retour dans l'espace Schengen.

Il fait déjà nuit quand nous arrivons à Sofia, mais nous avons appris de nos erreurs: nous évitons les taxis. C'est à pied que nous rejoignons notre auberge. En chemin, des statues de lion, une mosquée, une synagogue, quelques églises... L'auberge, elle, semble introuvable. Après quelques minutes devant une porte - qui s'avèrera être la bonne porte - et malgré la tentative d'une Bulgare pas très nette qui, pour nous aider, active simplement toutes les sonnettes de l'immeuble, c'est finalement une cliente nous ouvre. La réception est déjà fermée, le propriétaire nous répond sur Whatsapp: la clef est sur la porte, nous n'avons qu'à glisser 70 levas pour nos deux nuitées sous la porte de la réception demain matin. Pas de problème.

Le lendemain, nous découvrons Sofia, ses nombreuses églises, ses grands bâtiments mégalo, ses rues commerçantes, ses ruines romaines. Les monts Vitosha sont enneigés, le soleil brille et les familles font leur balade du dimanche. Le contraste avec Belgrade nous frappe: les passages pour piétons sont respectés, les rues du centre sont propres et pavées, et nos habits ne sentent pas le cendrier en sortant des cafés.

Quelques jours après le départ, je ne me sens certainement pas encore "en voyage", plutôt simplement en vacances. Les noeuds de mon ventre se défont, un à un. Je m'amuse à déchiffrer panneaux et menus en cyrillique. Je m'informe déjà sur Istanbul et la Turquie où nous arriverons dans quelques jours. Avant le départ, j'ai regardé quelques documentaires sur ARTE, pour tenter de mieux comprendre les Balkans et la Turquie. La Fin des Ottomans conte la naissance des Etats-nations grecque, serbe, bulgare, et bien sûr turque. Révoltes religieuses contre les privilèges accordés aux musulmans? Révoltes sociales de paysans? Révoltes nationalistes? Tout à la fois, semble-t-il. Bulgares, Serbes et Grecs s'allient d'abord pour obtenir leur indépendance; une fois celle-ci acquise, ils se font la guerre et inaugurent des décennies de nettoyage(s) ethnique(s) dans les Balkans, dont les conflits plus récents en Ex-Yougoslavie et les dernières tensions en Macédoine ne sont qu'un lointain écho... En toile de fond, les grandes puissances tirent déjà les ficelles, Triple-Entente et Triple-Alliance se tissent. L'ère des nations frappe à la porte de l'Histoire. Le XXème siècle se prépare en coulisse... Demain, nous nous rendrons au monastère de Rila, lieu hautement symbolique pour l'Eglise orthodoxe bulgare et l'identité nationale du pays. Une occasion d'en apprendre un peu plus sur l'histoire de ce pays et de cette région du monde, complexe, passionnante, déchirante.

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Publié le 22 février 2020

Nori's Sicht:

Eine Tramfahrt (bei welcher man für die Person und das Gepäck Fahrkarten lösen muss!) vom Zentrum zum Busbahnhof sorgt für amüsiertes Schmunzeln bei den anderen Tramfahrern. Wir sehen wohl etwas schräg aus, eingepackt in Regenkleidung mit Regenhülle um den Rucksack, Wanderschuhe montiert, Merino-bandeau um den Kopf geschlungen. Wir haben was vor. Als wir in Rila ankommen regnet es immer noch. Die Wolken sind tief, oder wir sind hoch in den Bergen, oder beides. Dem Kloster gibt es eine düstere Ausstrahlung. Eingebettet in Schnee, umgeben von Wolken und Nieselregen. Alles weissgrau. Einsamkeit. Stille.

Die anderen Passagiere, welche mit uns hochgefahren sind fahren nach 2 Stunden wieder zurück nach Sofia. Wir nicht. Wir suchen vollbepackt unser Hotel im Wald. Dies gestaltet sich schwieriger als gedacht. Viele Gebäude hat es nicht und die vereinzelten, die wir zwischen Bäumen und Bach finden, nach vereisten Treppenabenteuern und Schuhskifahren auf Waldwegen, sind zu. Dann aber doch, ein Betonklotz schimmert durch die Bäume. Nach halber Umrundung sehen wir "Rilets Resort & Spa" über einem Glaseingang stehen. Wir sind die einzigen Gäste. Die junge Frau an der Rezeption und der Barmann sind die einzigen Angestellten, denen wir begegnen werden. Den Spa-Bereich müssen sie erst für uns anstellen, der Pool ist nur halb gefüllt, die Sauna kalt. Und wir sind alleine. In einem Hotel mit über 300 Zimmern, Konferenzhalle, Casino, Wellnessbereich und zweistöckigem Restaurant. Wir essen allein an einem der hundert Tische, ein Gasheizer neben dem Tisch, da es kalt ist. Die Menukarte ist ein ausgedrucktes Worddokument, grundsätzlich haben wir verschiedenes Fleisch mit Tiefkühlgemüse oder Pasta zur Auswahl. Aber nett sind sie. Uns ist trotzdem nicht wirklich wohl in diesem leeren Riesen, wir stören ihn definitiv beim Winterschlaf, weshalb wir beschliessen am nächsten Tag wieder zurück nach Sofia zu fahren. Vorher besichtigen wir aber noch das Klostermuseum und gehen zwei, drei Stunden wandern. Es ist sonnig heute. Wir wechseln von Herbst zu Winter zu Frühling auf einer einzigen Wanderung. Es ist wunderschön. Bären und Wölfe sehen wir zum Glück keine und Lawinen lösen wir auch keine aus. Die Warnschilder am Anfang des Pfades haben wir also zurecht ignoriert. Bei Sonne sieht das Kloster viel friedlicher aus. Inmitten dieser wilden, unberührten Berge. Ein echter Zufluchtsort. Wenn man das Resorthotel ausklammert natürlich. Damals als der heilige Sankt Ivan Rilski als Eremit hier in Rila sein Leben Gott gewidmet und nur von dem was er in der Natur fand gelebt hat, war dieses Tal völlig unbewohnt. Nur Tiere und später die Anhänger von St. Ivan waren da. Dann, mit stetigem Andrang von Schülern Ivans wurde das Kloster gebaut, vergrössert, renoviert. Ein Bewahrer der bulgarischen Traditionen auch unter osmanischer Regentschaft. Möge es auch dem Regime des Kapitalismus trotzen und sich bewahren. Das Kloster hat an die 100'000 Besucher im Jahr (Stand 2009), Tendenz steigend, grösstenteils auf die Sommermonate geballt. Jetzt im Winter sind wir weitgehend allein. Ich möchte hier bleiben, in dieser Abgeschiedenheit, Winterwanderungen unternehmen, ganz hoch auf die Gipfel. Die Farben sind so schön hier.

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Vu par Alexandre: 

Un vieux tramway sofiote nous dépose devant la petite gare routière de l'ouest de Sofia. Cela aurait pu être un de ces anciens trams bâlois - verts avec le numéro de ligne en jaune et dont les autocollants BVB sont encore visibles, les mêmes que je prenais pour me rendre à l'Université - qui vivent une deuxième jeunesse en Bulgarie. Le nôtre est nettement plus vieux. Nous achetons deux tickets chacun, comme le veut la règle locale - un pour soi et un pour le sac à dos. La qualité du revêtement de la route et des trottoirs, tout comme la modernité des devantures de magasins, semble diminuer proportionnellement à l'éloignement au centre-ville. Ces quelques kilomètres en tram se transforment en véritable voyage dans le temps.

Le minibus en direction de Rila part à l'heure. Quelques Bulgares se font déposer au bord de la route. Trois heures plus tard, nous voilà dans la cour de ce monastère au milieu du massif de Rila. Les couleurs des fresques de l'église nous éblouissent. On ne voit pas les montagnes car le brouillard est épais, mais on sent que la vallée est étroite. Le minibus repart avec les touristes deux heures plus tard, nous sommes les seuls à rester. Les quelques maisons autour du monastère sont délabrées, les restaurants sont fermés. Le site le plus visité de Bulgarie est déserté; dur à croire qu'en été, les bus touristiques bouchonnent dans les lacets de la route qui mènent ici. Nous, nous partons à la recherche de notre hôtel - le seul hôtel ouvert, au nom prometteur: "Rilets Resort & Spa", avec spa, casino et salle de conférence... Après un bon kilomètre sur une petite route gelée, nous sommes devant un grand bâtiment en béton, en apparence abandonné: baie vitrée cassée, sacs poubelles devant l'entrée, aucune lumière... mais la réceptionniste nous attend tranquillement. Nous sommes les seuls clients dans ce complexe qui pourrait en accueillir des centaines. Elle nous demande, angoissée, si nous comptons souper ici, et si nous prévoyons d'utiliser le spa. Notre réponse, à savoir "Oui" et "Peut-être un sauna?" ne semble pas la ravir. L'ambiance au spa est étrange - au début, il fait froid dans le sauna, et la piscine n'est remplie qu'à moitié, mais on peut y nager. L'ambiance au restaurant est très étrange - une seule table dressée parmi un bonne centaine dans un immense hall, avec une sorte de ventilateur lance-flammes pour nous réchauffer. Le menu semble avoir été créé en panique avec ce qui traînait dans le frigo. Les joies et le charme du tourisme hors-saison... Le lendemain, nous sommes seuls dans le parc national de Rila. Nous montons d'abord dans une forêt flamboyante jusqu'à la limite de la neige, puis continuons jusqu'à ce que la vue se dégage. Le soleil brille aujourd'hui, le froid me brûle le bout des doigts. J'aimerais monter jusqu'au sommet, dormir en cabane, redescendre demain à ski, mais le bus nous attend déjà, en bas, devant le monastère. Ce soir, nous dormirons à Sofia.

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Publié le 27 février 2020

Nori's Sicht: 

Der Zug, der uns am Bahnhof erwartet is alt. Uralt, könnte man fast sagen, so einen Zug habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Er steht im krassen Kontrast zu dem überaus modernen, viel zu riesigen Bahnhof von Sofia, der eher wie ein neuer, jedoch leerer Flughafen aussieht. Der Zug passt dann aber wieder gut zu den Häusern und Bahnhöfen, je weiter wir uns vom Zentrum entfernen. Das Löwenfell wurde also nur im Zentrum geputzt.

Nach ein paar Stunden kommen wir in Plovdiv an. Diesen Stopp haben wir nur dank Ines, Alex' Mutter eingeplant. Plovdiv ist trotz Titel der Kulturhauptstadt Europas 2019 (zusammen mit Matera in Italien) noch ein Geheimtipp. Unser Hostel ist in einem der traditionellen Altstadthäuser, ganz im bulgarischen Renaissance Stil. Auch die Möbel sind alt aber chic und die freistehenden Betten im Schlafsaal echt bequem. Am ersten Nachmittag treffen wir Joaquim, ein Katalane aus Girona per Zufall wieder. Wir hatten ihn am Vorabend in Sofia kennengelernt. Wir besichtigen mit ihm schon mal das berühmte Hipsterviertel und die Burg mit der fantastischen Aussicht. Wir gehen zusammen essen und natürlich diskutieren wir lange über die aktuelle katalanische Unabhängigkeitsbewegung. Er ist beeindruckt, dass man in der Schweiz trotz verschiedener Sprachen und auch ansatzweise verschiedener Bräuche ein Nationalgefühl haben kann, dass wir uns trotz aller Unterschiede alle als Schweizer identifizieren. Mich beeindruckt dafür seine positive Art, als er uns erzählt, dass er eigentlich zwei Master hat, einen in environmental Engineering und einen in Meeresbiologie. Leider leider gibt es aber keine Arbeit als solcher oder Ähnliches. Weshalb er jetzt mit zwei Kumpels eine Tourismusagentur gegründet hat. Zu seinem 30. Geburtstag hat er sich selber eine kleine Weltreise geschenkt. In 6 Wochen um die Welt. Die Destinationen wurden jeweils aufgrund der günstigsten Flüge bestimmt. Naja, irgendwie cool, dass er das so alleine durchzieht, irgendwie grotesk, so viel zu fliegen um des Fliegens Willen, nicht um irgendwo ganz Bestimmtes hinzukommen. Und das pure Gegenteil von dem was Alex und ich vorhaben. Wir verstehen uns trotzdem super mit ihm.

Auf der Burg mit Joaquim - Avec Joaquim, vue depuis les ruines 

Am nächsten Morgen treffen wir beim Frühstück Giles, ein Brite aus Cornwall. Er freut sich wahnsinnig, dass wir letzten Sommer dort waren und die Reise fantastisch fanden. Als wir dann auch noch über Brexit und Andere politische Themen ins Diskutieren kommen, entschliessen wir, den Tag zusammen zu verbringen. Zuerst begeben wir uns auf die Spuren des antiken Plovdivs. Offenbar gibt es diese Stadt, oder zumindest eine Stadt an diesem Ort, bereits seit 8000 Jahren (andere Quellen sagen 6000, aber wir sind jetzt mal grosszügig). Das erste "grosse" Volk waren die Thraker. Diese wurden von Philippe II. von Mazedonien (dem Vater von Alexander dem Grossen) erobert. Daher kommt auch der Name: Plovdiv ist nämlich eine Abwandlung des damaligen Philipopolis. Kurz vor Christus wurde die Stadt von den Römern erobert und Trimontium getauft, nach den drei Hügeln auf denen die Stadt lag (später dehnte sie sich auf sieben aus). Sie war strategisch sehr wichtig, lag sie doch an der Römerstrasse Via militaris, welche über die Balkanhalbinsel nach Byzanz führte. Vor allem ab dem 2. und 3. Jahrhundert erreichte die Stadt einen kulturellen und wirtschaftlichen Höhepunkt und wurde von mehreren römischen Kaisern immer weiter ausgebaut. Was speziell daran ist: Die antike Stadt wurde nach der Ankunft der Slawen gänzlich zugeschüttet und konnten so im Erdboden versteckt nahezu unbeschadet überdauern. Keine Steine wurden geklaut oder zerschlagen. Alles in einem Bett aus Erde bewahrt. Die Stadtbewohner hatten nämlich vergessen, welche unglaublichen Bauwerke unter ihren Füssen schliefen. Erst sehr spät, beim Umbau einer Strasse fand man das römische Stadion, bestimmte Bauwerke wurden und werden erst seit etwa 10 Jahren freigelegt. Die vollständige Exkavation des Stadions ist aber nicht möglich, da die Hauptstrasse der Altstadt darüber ebenfalls bereits Unesco Kulturerbe geschützt ist. Somit kann man nur einen kleinen, aber beeindruckenden Teil sehen. Dafür hat Plovdiv aber noch ein fast intaktes Theater, welches in der Altstadt zwischen zwei Hügeln thront. Es wir heute wieder für Spektakel und Konzerte genutzt. Für dessen Exkavation wurde kurz mal ein kleines Quartier zwangsumgesiedelt, nachdem ein Anwohner einen Fund von seltsamen Steinen in seinem Garten gemeldet hatte. Deshalb auch das Sprichwort der Plovdiver Bürger: "Grabe nie in deinem Garten."

Später besichtigen wir zwei der berühmten Häuser des 18ten und 19ten Jahrhunderts aus der bulgarischen Renaissance Periode. Bulgarien gehörte in dieser Zeit (seit dem 14ten Jahrhundert eigentlich) zum osmanischen Reich und war zum ersten Mal keine Grenzstadt mehr. Somit waren sie nicht mehr ständig bedroht und der Handel florierte aufgrund der guten Lage zwischen Sofia und Konstantinopel. Der Handel mit anderen Ländern beeinflusste auch die Architektur dieser Zeit. Die reichen Händler versuchten sich mit ihren prunkvollen Meisterbauten zu übertrumpfen. So gibt es ein Haus mit fast 200 Fenstern, ein Haus mit einem Brunnen im Wohnzimmer, der mit Rosenwasser (das flüssige Gold Bulgariens) gespeist ist, beheizte Bäder mit fliessend warmem Wasser, sowie reich bemalte Räume mit Fresken von Weltwundern aus anderen Ländern. Die Nischen, welche diese Fresken beherbergen geben die Illusion von Fenstern, welche Aussicht auf Venedig, Wien, Athen oder Sankt Petersburg zeigen. Dieser Stil wird lustigerweise "Alafranga" genannt, also à la française. Ansonsten findet man indischen, italienischen, russischen, und natürlich türkischen Einfluss. Diese Renaissance ist eher als Abgrenzung zur griechisch orthodoxen Kirche und weniger zum osmanischen Reich zu verstehen, wenn auch der später resultierende Unabhängigkeitskampf gegen den osmanischen Staat gerichtet war. Aber darauf einzugehen wäre jetzt zu lang.

Meisterhäuser im bulgarischen Renaissance Stil - Maisons de maître de la Renaissance bulgare  

Den Abend lassen wir nach einem erneuten Sonnenuntergang auf der Burg mit Aussicht auf die Altstadt und das Denkmal aus sowjetischer Zeit ("Sun setting on Communism", meint Giles trocken) wieder im Hipster Viertel ausklingen. Die Übersetzung des Quartiernamens Kapana bedeutet "Falle". Adi von der Free Tour am Nachmittag hat uns erzählt, dass während der Zeit Plovdivs als Handels- und Handwerkszentrum im osmanischen Reich über tausend Werkstätte und Geschäfte in diesem Viertel angesiedelt waren. Der Name "Falle" kommt somit nicht nur von den vielen, sich verzweigenden und systemlosen Gassen, in denen sich sogar Alex verirrt, sondern auch davon, dass man - einmal in die Falle geraten - mit leerem Portemonnaie wieder rauskommt, dafür vollbeladen mit neu erstandenen Gütern. Unter sowjetischer Zeit (also nach dem zweiten Weltkrieg) wurde das Quartier geschlossen und war unbewohnt und hätte durch ein riesiges Einkaufszentrum ersetzt werden sollen. Die Menschen von Plovdiv haben sich so lange dagegen gewehrt, bis Bulgarien nicht mehr unter sowjetischer Kontrolle war. Nur waren die Häuser bis dann völlig verfallen und Geld war keines da, um sie renovieren zu können. Mit der Bewerbung für die Kulturstadt Europa 2019 wurde viel finanzielle Unterstützung gutgesprochen und die ganze Stadt rausgeputzt. Auch die "Falle" wird seit 2012 wieder restauriert, die Mieten wurden für das erste Jahr vorausbezahlt, sodass sich Geschäfte und vor allem Bars und Restaurants wieder ansiedeln vermochten. Das Quartier ist heute bunt, voller Strassenkunst, coolen Geschäften und hippen Bars. Es ist fast ein bisschen zu viel Konzept. Was in Anbetracht des jungen Alters dieser Unternehmen dann plötzlich Sinn ergibt. Nur vereinzelt erinnert ein verfallendes Haus auf seinem Werdegang zur Ruine wie ein fauler Zahn in einem Werbelächeln für Elmex an das tatsächliche Alter und die Geschichte der "Falle". Das sowjetische Einkaufszentrum konnte mit vereinter Kraft der Bürger verhindert werden. Nach der bulgarischen Unabhängigkeit wurde dann doch noch eine riesige Shopping Mall gebaut, an einer anderen Stelle. Dafür wurde eigens einer der sieben Hügel von Plovdiv abgetragen, an dessen Stelle nun diese Ausgeburt des Kapitalismus steht. Plovdiv ist also nicht mehr eine Stadt der sieben Hügel wie Rom, oder Lissabon. Schade eigentlich.

Kapana - Die Falle - Le Piège

Giles gibt uns beim Abendessen einen Crashkurs in Chinesisch. Er hat internationale Beziehungen und Chinesisch studiert, ein Jahr lang sogar in China. Er arbeitet nun als Verkaufsanalytiker in irgendeiner Firma in London. Auch er hat wie Joaquim keine Arbeit gefunden in der Domäne die ihn interessiert und die er studiert hat. Ich hätte gedacht, dass Chinesisch und internationale Beziehungen relativ relevant sind in der heutigen Zeit und somit ein kombiniertes Studium sicherlich gute Berufsaussichten gewährleistet. Aber ich verstehe unsere Welt in der heutigen Zeit ja sowieso öfter nicht.

"Sun setting on Communism" 

Kleine Anmerkung zum Abschluss: 8000 Jahre Geschichte in einem Blogeintrag zusammenzufassen ist nicht leicht. Vor allem bei einer Grenzstadt wie Plovdiv. Und doch ist die Geschichte des Balkans wahnsinnig spannend, vor allem in Anbetracht unserer nächsten Reiseetappe, der Türkei. In einem separaten Eintrag werden ich euch mehr erzählen über die Geschichte des osmanischen Reiches vor allem, aber auch der Rolle der heutigen Balkanländer. Historisch möglichst korrekt und mit Details oder Anekdoten von Menschen, die wir auf unserem Weg dazu befragen. Den Link dazu findet ihr bald hier.


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Vu par Alexandre: 

Je risque d'écrire cette phrase souvent, mais: nous filons vers l'Est. La grande gare ferroviaire de Sofia est flambant neuve et surdimensionnée, ses locaux vides semblent attendre les "investisseurs étrangers" dans le calme. Le train bulgare se faufile entre les collines enneigées. Nous voilà déjà à Plovdiv, dernière halte européenne avant Istanbul, ville à cheval sur les continents. L'atmosphère orientale se précise. Nous buvons le thé et goûtons quelques baklavas sous la mosquée, comme me l'a conseillé une patiente bulgare originaire de Plovdiv juste avant mon départ. L'héritage ottoman est toujours plus évident au fur et à mesure que nous nous rapprochons de la Turquie. Cet héritage n'est pas nié, mais systématiquement mentionné dans la douleur: musées et panneaux culturels parlent toujours d'un demi-millénaire d'occupation, notre guide du "FreeTour Plovdiv" mentionne les "cinq siècles les plus tragiques de l'Histoire bulgare". Mais Plovdiv n'est-elle pas justement passionnante parce qu'elle fut si souvent occupée? D'abord par Philippe II de Macédoine, père d'Alexandre le Grand, puis par les Romains, puis par des Slaves (les futurs Bulgares, en fait), puis par les Byzantins, puis par les Ottomans... Les Bulgares doivent leur langue aux Slaves, et leur foi au Grecs; Plovdiv doit sa folle histoire au hasard de sa position géographique (ou justement à son non-hasard) et aux méandres de l'Histoire.

Nous passons de belles journées à Plovdiv, avec Joaquim de Gérone - biologiste maritime, guide touristique et indépendantiste catalan, et avec Giles des Cornouailles - analyste de marché, anticapitaliste, master de chinois et relations internationales en poche. Les cafés de Kapana, "le Piège", quartier aujourd'hui branché mais qui fut à l'abandon pendant des décennies jusqu'au début des années 2010 et aux subventions de l'Union européenne pour préparer Plovdiv à être Capitale européenne de la culture en 2019, se prêtent aux longues discussions. Autour de nous, les jeunes boivent de l'ayran - yoghurt salé à boire - avec leur fastfood. Ici, on ne dit pas "yoghurt", d'ailleurs; "yoghurt", c'est un mot turc. Les civilisations se mêlent, les époques se superposent. Les ruines thraces, le stade romain dans le sous-sol du H&M, la mosquée ottomane dans l'ancienne basilique byzantine, les maisons de maître de la Renaissance bulgare, les monuments communistes avec mitrailleuse à la main, les étoiles du drapeau européen aux fenêtres... Il est déjà temps de continuer, toujours vers l'Est. Istanbul nous attend.

Mit Giles in der "Falle"  - Avec Giles dans "le Piège"
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Nori's Sicht: 

Die Tickets sind nicht einfach zu lesen in der Handschrift der Frau vom Ticketschalter, aber wir finden unseren Wagon und stehen an, um einzusteigen und unser 4er oder 6er Abteil zu finden. Der Zug sieht modern aus von aussen. Auf den Fenstern prangt eine Halbmondsichel mit einem Stern. Der Mann, der unsere Tickets kontrolliert, überlegt einen Moment, sagt was zu seinem Kollegen und nimmt uns mit zu einem anderen Wagon, wo wir ein zweier Abteil beziehen. Die Sitze sind breiter als in der ersten Klasse in der Schweiz, wir haben ein eigenes Lavabo und eine Minibar - ihr hättet Alex‘ Strahlen im Gesicht sehen sollen! Der Kontrolleur ist wahnsinnig liebenswürdig, er kann etwa 5 Worte Englisch und wir kein einziges Wort Türkisch, aber mit Gesten und Lächeln werden wir instruiert. Die türkische Grenze erreichen wir in zwei Stunden, oder um 2 Uhr morgens, so genau verstehen wir ihn dann doch nicht. Wir entschliessen wach zu bleiben wenn wir in zwei Stunden ja vielleicht schon aussteigen und die Grenzkontrolle über uns ergehen lassen müssen. Eine dumme Idee. Wir kommen nämlich tatsächlich nach zwei Stunden (um 23:30) an der bulgarischen Seite der Grenze an, unsere Pässe werden von korpulenten Grenzpolizisten eingesammelt und nach ca 20 Minuten zurückgebracht. Dann bleiben wir aber noch 15 Minuten stehen und weitere 15 Minuten dauert die Fahrt zwischen hohen Stacheldrahtzäunen zur türkischen Grenze. Dort müssen wir aussteigen. Niemand spricht Englisch aber mit dem Schafherdenprinzip schaffen wir es durch die Passkontrolle, die ewig dauert. Wir stehen danach in der Kälte, um das Gepäck scannen zu lassen. Manche Leute gehen von der Passkontrolle direkt zurück in den Zug, aber wir wollen Nichts falsch machen. Nachdem mein Rucksack gescannt worden ist und ich auf Alex warte, kann dann plötzlich einer der Grenzbeamten ganz gut Englisch und fragt mich im Plauderton aus, wohin ich gehe, ob alleine und wie lange. Da ich nicht weiss, ob das ein offizielles Interview oder bloss Smalltalk mit der Touristin ist, beantworte ich alles pflichtbewusst. Er ist zufrieden und wir steigen wieder in den Zug ein. Wer mitgerechnet hat: Wir sind kurz nach Mitternacht an der türkischen Grenze angekommen. Mittlerweile ist es halb 3 Uhr morgens. Schnell legen wir uns auf die verblüffend bequemen Pritschen und versuchen zu schlafen. Die Ankunft in Istanbul ist für 5:20 Uhr vorgesehen, mit Zeitverschiebung 6:20 Uhr. Also keine drei Stunden Schlaf für uns. Dementsprechend müde steigen wir in Istanbul Halkali, einem Bahnhof der Peripherie aus und suchen die Metro zum Zentrum, wie uns „the man in the seat 61“ auf seinem Zugreisen-Blog so schön vorgeschrieben hatte. Wir finden alles auf Anhieb. In der Metro nickt Alex immer wieder ein, sein Kopf pendelt nach vorne und schnellt wieder hoch. Ein Kanadier hat mir das mal als „cogner des clous“, also Nägel einhämmern beschrieben. Ich muss lächeln. Die Frau vis-à-vis von uns lächelt ebenfalls. Wir sind die einzigen Touristen in der Metro aber ich fühle mich willkommen. Als wir nach einer halben Stunde im Zentrum ankommen wissen wir nicht, welchen der vielen Ausgänge wir nehmen müssen und als wir einen aufs Geratewohl wählen, wissen wir nicht wo in der Stadt wir genau sind. Dafür werden wir mit einem feuerroten Himmel mit pinken Wolken hinter zwei riesigen Moscheen in der Ferne belohnt. Wir sind in Istanbul! Die Fremde kribbelt in meinem Bauch. Ich freue mich aufs Entdecken, auf all die visuellen und gustatorischen Eindrücke, die mich erwarten. Ein Migrosladen (!) gibt uns endlich etwas Orientierung und wir marschieren zum Hostel. Der Mann der uns empfängt ist ebenfalls wahnsinnig nett und wir dürfen das Zimmer früher als die offizielle Check-in Zeit beziehen. „You look tired“ meint er.

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Vu par Alexandre: 

Il fait déjà nuit quand nous montons à bord du train de nuit pour Istanbul. Chaque fenêtre arbore fièrement le croissant et l'étoile du drapeau turc. Notre chef de wagon rayonne autant que moi - c'est un rêve de gosse qui se réalise. Ni moi ni Norina ne parle un mot de turc, et lui ne parle pas un mot d'anglais, mais doit être bon au "Time's Up": en quelques mimes, nous savons où sont les toilettes, l'échelle dans notre compartiment pour deux, et l'eau dans le minibar. Même nos billets, écrits à la main à moitié en alphabet latin et à moitié en cyrillique par la guichetière bulgare - vingt bonnes minutes de travail - ne le perturbent que quelques secondes. Une seule incompréhension: arriverons-nous dans deux heures ou vers deux heures à la frontière turque?

Peu avant minuit (deux heures plus tard, donc), le train s'arrête. De chaque côté, nous sommes cernés par les barbelés. Deux douaniers bulgares collectent les passeports et redescendent du train; trois quarts d'heure et deux moues ennuyées-suspicieuses plus tard, nous retrouvons nos passeports et le train redémarre vers le poste-frontière turc, quelques kilomètres plus loin. Ici, il faut descendre du train, puis apparemment attendre. Les douaniers turcs n'ont pas l'air pressés. Ils discutent vingt minutes avant de tamponner le premier passeport, qui semble leur poser un véritable casse-tête. Comme nous sommes quelques dizaines de passagers, on peut se demander combien de temps l'arrêt va durer... Heureusement, ils accélèrent le rythme et nous indiquent un salle d'attente une fois nos passeports tamponnés - pour une raison qui restera mystérieuse, nous sommes les seuls à nous y rendre. Tous les autres passagers attendent dehors. Après une demi-heure, nous faisons les moutons et attendons avec eux, une autre demi-heure. "The Man in the Seat 61" nous avait prévenu que nous devrions passer nos sacs aux rayons; il s'avérera que c'est la raison de cette seconde session d'attente dans le froid sans explication. Trois heures après l'arrivée à la frontière, nous remontons dans le train. Il nous reste deux ou trois heures de sommeil avant Istanbul...

Le Sofia-Istanbul Express nous laisse à 25 kilomètres du centre, mais grâce, une fois de plus, au "Man in the Seat 61", nous avons prévu le coup. Nous avons des livres turques poche et achetons nos billets de Marmaray facilement. La plupart des voyageurs ont leur nez dans leurs smartphones. Quelques femmes sont voilées, d'autres ont les cheveux libres, talons et jeans skinny. Dans ce métro stambouliote, je pique du nez. Depuis combien d'années cette ville me fait-elle rêver? C'est Byzance! Puis les Romains et l'empereur Constantin, puis la prise de Constantinople par Mehmet le Conquérant qui signe "la fin du Moyen-Âge" en 1453 - date apprise souvent par coeur à l'école - et puis Soliman le Magnifique, Hercule Poirot, Orhan Pamuk (le dernier livre offert à ma grand-mère, et d'ailleurs le dernier livre qu'elle lisait...). Je m'imagine une ville merveilleuse, aux bazars tels des cavernes d'Ali Baba, aux mosaïques hypnotisantes, aux sucreries par montagnes, aux mille odeurs d'épices, de café, de thé, de fumée de narghilé... C'est probablement totalement différent. Peut-être que je vais souffrir d'un "syndrome d'Istanbul" comme les Japonais souffrent du "syndrome de Paris" lorsqu'ils découvrent que la ville réelle n'a pas grand chose à voir avec la version fabulée de leur imaginaire commun? On verra bien, c'est égal... On arrive, on est là. À Sultanahmet, nous sortons, loin sous terre, juste avant que le métro ne passe sous le Bosphore. Nous choisissons une des sorties, au bol. Difficile de s'orienter, c'est finalement une petite Migros qui nous permet de nous situer sur ma capture d'écran. Au coin de la rue, la vue se dégage un peu. Les minarets de Sainte-Sophie et de la Mosquée Bleue se découpent sur le ciel orange. Le soleil émerge de son sommeil derrière l'Asie, juste là, en face. Le froid mord. Norina profite du spectacle et des premiers rayons. Mon ventre gargouille d'impatience. Quelques chats se baladent. Dans quelques heures, nous mettrons les pieds en Asie. Nous sommes à Istanbul.